Ihr könnt mich mal!
„Na Bravo! Die ist ja mehr als frech!“ hörte ich die Betreuerin nach der Ankunft von K. sagen. “Die hat ihr ganzes Zimmer umgestellt, die Wände bemalt und den Rauchmelder abmontiert!” Was soll das nur werden dachte ich mir, wenn das schon so anfängt? K. wollte nicht bei uns sein, sie wollte auch nicht woanders sein, nein, sie wollte überhaupt gar nichts. Verweigerung war ihr Motto. Wenn nicht verweigert werden kann, dann wird geschrien und übelst beschimpft. Schließlich war sie ja schon 14, und da braucht man sich nichts mehr sagen zu lassen. Nachts mussten wir sie suchen, tagsüber hörten wir uns an, dass uns ihr Leben nichts angehe, und sie deswegen kommen und gehen könne, wann immer sie wolle. Um das zu verdeutlichen flogen schnell noch ein paar Kochtöpfe durch die Küche! Das war fast nicht auszuhalten, aber irgendwie spürten wir, dass da noch mehr sein muss. Also weiter! Schulisch war sie nicht schlecht, frech aber nicht schlecht. Gut, die Schule kann positiv abgeschlossen werden, dann ist das unser erstes Ziel. Nach einem Jahr war es auch soweit. Nach etlichen Besprechungen und Vorladungen bei der Klassenlehrerin hatte sie die Schule positiv abgeschlossen. Wir schlugen ihr einige Lehrstellen vor, aber natürlich kam das alles nicht in Frage, weil wir keine Ahnung hätten. „Ihr könnt mich mal!“ sagte sie, “ich suche mir meine Arbeit selber”. Gesagt, getan. Nach den Ferien kam sie morgens herunter und verließ das Haus ohne Worte. Auf die Nachfrage was denn los sei sagte K: „ Ich gehe arbeiten, oder darf ich das auch nicht?“ So teilte sie also mit, dass sie eine Lehrstelle gefunden hatte. Super! Alles alleine. Das steckt also in ihr. Sie ist heute auch noch sehr frech und fast nicht auszuhalten, aber sie macht alles alleine, und hat allerdings gelernt, im äußersten Notfall zu uns zu kommen und Hilfe einzufordern. „Das steht mir zu!“
Ja, gut, wenn das der Weg ist, dann werden wir ihn mit ihr weitergehen bis zur Lehrabschlussprüfung. Und das sind noch zwei Jahre. Ich hoffe wir halten das durch; und sie auch. Aber es sieht gut aus, wir haben uns gegenseitig an unsere Eigenheiten gewöhnt. Sie weiß, dass wir uns auch gegen ihren Willen immer wieder um sie kümmern, und wir wissen, dass sie diese Hilfe gegen ihren Willen immer wieder annimmt.
ja, das ist schon so eine sache mit dem eigenen willen – und dem der anderen. viel glück weiterhin miteinander!
Na Willen hat Sie, dass kann man nicht anders sagen
Ob Sie das m,al weiter bringt im Leben ist allerdings fraglich.
LG