Dahin, wo es mich hintreibt!

Über 20 Jahre im SOS – Kinderdorf aufgewachsen. Keine schlechte Bilanz in Zeiten, wo Kinder erstens zu spät und zweitens zu kurz untergebracht werden. Gut, damals war es noch möglich, damals hatten Kinder noch eher eine Lobby, damals war mehr Geld da.

Damals war J. noch ein Baby. Er kam mit seiner Zwillingsschwester in unser Kinderdorf. Die Kinderdorfmutter hatte sich ihrer angenommen, und sie hat das gut gemacht. J. war immer ein sehr sturer kleiner, und später großer Kerl! Und das war und ist gut so. Er gehört zu denjenigen Menschen, die ihre Sturheit ordentlich einsetzen um etwas weiterzubringen. Mit 14 Jahren hatte J. den  Eindruck, er sollte nicht mehr am gemeinsamen Essen teilnehmen, er hielt es für gesünder sich in seinem Zimmer auf einem Gaskocher Naturreis zuzubereiten. Ausschließlich Naturreis! Tagelang Naturreis. Dann begann seine sportliche Phase. J. begann zu trainieren. Er gewann etliche Preise im Laufen, war einer der besten Fussballer und konnte hervorragend schifahren. Anschließend, etwa mit 18 Jahren glaubte er, es sei wichtig, einmal auf alles weltliche zu verzichten. Er haderte mit dem christlichen Glauben, las Bücher von Kant und Marx, besuchte die HAK und hatte große Hochachtung vor einem “Kollegen”, der in einem Erdloch in den Bergen wohnte. Plötzlich verschlechterten sich seine Noten dramatisch! Auf meine Frage, was denn los sei, ob wir ihm irgendwie helfen könnten sagte er, er habe nun genug von dem dauernden Erfolg, nun wäre es an der Zeit einmal zu “verlieren”. Somit war die Schule für ihn beendet, und nach einer kurzen Phase des Müssigganges entschloss er sich eine Lehre als Installateur zu beginnen. Das hat J. auch sehr gut gemacht. Allerdings fand er nach dem Abschluss der Lehre, dass das nicht alles sein könne. Somit startete er einen Job bei einer großen Firma im Schichtdienst, um in möglichst kurzer Zeit an möglichst viel Geld zu kommen, um dann möglichst lange nichts zu tun. Auch das hat natürlich gut geklappt. Andere suchen sehr lange, um eine Arbeit zu bekommen, er braucht nicht einmal 3 Wochen! Soweit so gut. J. kommt nun zu der Erkenntnis, dass Selbstverwirklichung sein Motto ist. Er beginnt zu schnitzen. Natürlich hat er auch dazu ein großes Talent. Schon nach eineinhalb Jahren nimmt er auf Wunsch des Organisators an einer Ausstellung Teil, worüber er sich sehr freut. Die Ausstelluing war erfolgreich, und so beschließt J. eine gediegene Ausbildung an einer Schnitzschule zu machen, um dann in Zukunft sein Leben als selbstständiger Künstler zu verbringen. “Es ist so, dass es mich immer irgendwohin treibt, und ich glaube es ist gut, wenn man dem nachgibt!” Im heurigen Herbst hat J. gegen alle Widrigkeiten einen Platz an einer sehr guten Schnitzschule im benachbarten Ausland bekommen. J. wird das sicherlich sehr gut machen, und ich kann mir gut vorstellen, dass er seinen Weg als Künstler gehen wird. Ich wünsche ihm dafür alles Gute und viel Glück!

1 Antwort zu „Dahin, wo es mich hintreibt!“


  1. 1 casaneve 20. Januar 2012 um 10:02

    Ich auch! Und ich finde die Schilderung beruhigend. Bei zwei söhnlichen Sturköpfen :-)


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