Archiv für Februar 2012

Weltuntergang 2012? Das ist nicht nach meinem Geschmack!

So… Hab ich schon „So“ gesagt? Ein Wort mit dem ErzieherInnen/ BetreuerInnen/ SozialpädagogInnen (wie-auch-immer) gerne ihre Ausführungen beginnen :)

Die Ferien und diverese Faschingsfeiern haben wir nun definitiv hinter uns gelassen.

Der Schulalltag hat uns wieder. Jedes Kind ist bis oben hin eingedeckt mit Schularbeiten, Tests, Arztbesuchen, Therapieterminen und alles dreht sich darum diesen Anforderungen gerecht zu werden, die Termine wahrzunehmen und auf die vorgeschriebenen Lernziele hinzuarbeiten.

Festgefahrene, eingelernte, Strukturen bewähren sich und bringen uns sicher durch den Alltag.

Eine gewisse Engstirnigkeit (in der Wirtschaftswelt würde man wohl „Betriebsblindheit“ dazu sagen) macht sich breit, wenn man anfängt in diesem Hamsterrad aus Schule, Mittagessen, Hausaufgaben, Terminen, ein wenig Freizeit, Abendessen, Schlafen, Aufstehen, Schule… zu laufen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man läuft noch schneller, dann ist man mit dem „schnell Laufen“ so sehr beschäftigt, dass man vergisst, dass man sich in einem Hamsterrad befindet, oder aber man versucht ein wenig langsamer zu treten und ab und zu aus diesem „Stresskarussell“ auszusteigen.

Da die zweite Möglichkeit uns auf lange Sicht, als die eindeutig Sinnvollere erscheint, versuchen wir das so oft wie möglich zu tun. In der Abendruhe gibt es die eine oder andere entspannende Massage. Ein anderes Mal genehmigen wir uns ein Bad mit besonderen Duftölen. Wir lauschen gespannt einer vorgelesenen Geschichte. Wir sitzen gemütlich am Tisch und malen Mandalas oder basteln gemeinsam. Wir spielen Gesellschaftsspiele und musizieren miteinander… Bei diesen Aktivitäten genügen wir uns selbst und beschäftigen wir uns intensiv miteinander.

Doch es ist wesentlich für die Bildung eines mündigen Menschen ab und zu über den Tellerrand hinaus zuschauen. Und auch das tun wir – im wahrsten Sinne des Wortes – (zumindest) einmal pro Woche.

Schon vor längerer Zeit wurde zu diesem Behufe das Projekt „Los Wochos“ ins Leben gerufen.

Kurz zur Entstehungsgeschichte des Projekts: Viele der Kinder die zu uns in die WG kamen oder bereits in der WG waren hatten ein gestörtes Verhältnis zur Nahrungsaufnahme. Der eine aß kaum etwas, eiferte magersüchtigen Vorbildern nach, die andere aß viel zu viel und unkontrolliert, weil Essen für sie den einzigen Lustgewinn bedeutete. Dazu kam, dass „ausgewogene Ernährung“ für alle Kinder ein Fremdwort war. Zu Hause lernten sie eben nur eine handvoll Gerichte kennen, der Rest wurde von MC Donalds & Co geliefert. Ebenso wenig wussten die Kinder über die Herkunft und Entstehung der Lebensmittel Bescheid. Den meisten war gerade noch klar, dass die Weintrauben nicht in der Plastikschachtel beim „Hofer“ wachsen. Aber woher z.B.: Kartoffel kommen bzw. wo sie wachsen – Auf Bäumen? Auf Sträuchern? Auf der Erde? Unter der Erde? Wachsen sie in Österreich?- diese Fragen verunsicherte und stellte viele vor ein unlösbares Rätsel.

Nun zu „Los Wochos“. Im Zuge des Projekts wird einmal pro Woche (immer Donnerstags) zum Abendessen ein typisches Gericht aus einem anderen Land gekocht. Mittags haben wir das große Glück von unserer guten Küchenfee Eva gesund, abwechslungsreich und jedes Mal vorzüglich bekocht zu werden.

Unser momentaner Schwerpunkt ist, nach einer Reise über die Kontinente der Welt, Europa.

Die Mahlzeit wird von den BetreuerInnen, gemeinsam mit, sich wöchentlich abwechselnden, Kindern gekocht.

Schon alleine bei der Zubereitung lernen die Kinder viel. Wie schält man eine Orange? Wer oder was ist eine Avocado? Wie fühlt sich Mehl in der Hand an? Wie mariniert und bereitet man Fleisch zu?… Die Liste an wertvollen Erfahrungen ist endlos lang. Auch haben viele Kinder ein „Aha-Erlebnis“, wenn zum ersten Mal ein männlicher Betreuer kocht. Männer in der Küche? Das geht!?

Anschließend werden Informationen über das Land gesammelt, die den Kindern vor der gemeinsamen Einnahme der Mahlzeit, in Form eines Quiz, spielerisch näher gebracht werden.

So lernen die Kinder ganz nebenbei (und doch eifrig und interessiert), was in der Schule nur „ur fad“ ist:

Die Landesflagge, die Währung, Hauptstädte, Einwohnerzahlen, der höchste Berg, Sehenswürdigkeiten, der Nationalsport, … Wenn Kinder einmal von einem Thema gefesselt sind, ist ihre Wissbegierde schier grenzenlos.

Der Höhepunkt ist aber dennoch das gemeinsame, bewusste, Essen, Entdecken und Genießen.

So simpel die Idee klingt – mit „Los Wochos“ wurden schon beachtliche Erfolge erzielt. Die frühere, natürliche Abneigung gegenüber neuen, unbekannten Speisen (was der Bauer nicht kennt…) hat drastisch abgenommen. Ausrufe wie „Wäh!“, „Ur grauslich!“, „Das ist grindig!“ etc. sind kaum noch zu vernehmen.

Wir haben gelernt, dass es viele, viele Länder auf unserem Planeten gibt. Jedes dieser Länder hat sein „Nationalgericht“ oder zumindest Speisen, die von dort lebenden Menschen gerne und oft gegessen werden.

Es wurde eine gewisse Toleranz und Offenheit gegenüber Neuem entwickelt.

Unbekannte Speisen wenigstens zu kosten ist fast selbstverständlich und wenn einmal etwas nicht schmeckt, hört man kein „Wäh!“ mehr, sondern: „Das ist nicht nach meinem Geschmack!“ Eine völlig neue Sichtweise! Anderen Menschen schmeckt dieses Gericht offenbar, denn sie essen es regelmäßig…

Wenn man Kinder zu soviel Weltoffenheit und Neugier anregt, bekommt der kindliche Wissenstrieb oft eine Eigendynamik und bei Tisch wird über die interessantesten Themen diskutiert und philosophiert. Vor allem Katastrophen, Wunder, Übernatürliches sind für die Kinder faszinierende Themen.

„Wie war das damals mit dem World Trade Center?“ (In solchen Momenten fühle ich mich alt – kann mich doch noch genau daran erinnern…)

„Warum sprengen sich die Moslems dauernd in die Luft?“

„Ich hab in der „Heute“ von einem Unglück mit einem Kreuzfahrtschiff gelesen. Wo ist das passiert?“ „Was heißt Umweltverschmutzung? Ich will da Bilder sehen!“

„Die Mayas haben gesagt 2012 geht die Welt unter. Was passiert dann?“

Manche Fragen übersteigen die eigene Kompetenz, das muss man dann auch ehrlich zugeben. Die Kinder können es auch gut annehmen, wenn es Themen gibt über die selbst Betreuer nicht alles wissen oder auch nicht reden wollen, weil es sie unangenehm berührt. Die meisten Fragen können jedoch kindgerecht und damit zufriedenstellend beantwortet werden. Und manchmal springen auch andere Kinder als Experten ein und zeigen wie einfach die Welt oft sein kann, wenn man sie mit Kinderaugen betrachtet.

Wie eben damals beim Gespräch über den Weltuntergang:

Kind 1: „Ich habe Angst.“ „Geht die Welt jetzt unter oder nicht?“

Kind 2: „ Nein sicher nicht!“

Kind 1: „Warum?“

Kind 2 (sehr überzeugt): „Weil ich eine Kaugummipackung habe, die mindestens bis 2013 haltbar ist!“ „Also kann die Welt gar nicht vorher untergehen!“

Aus dieser Weltanschauung können wir Erwachsenen uns einiges mitnehmen (und uns mit Konserven und Kaugummis eindecken ;) ), dann sind wir weit über den 21.12.2012 hinaus gut gerüstet.

Mit diesem Beitrag beende ich meine Bloggertätigkeit, danke all den interessierten LeserInnen für ihr positives Feedback und freue mich schon sehr von anderen KollegInnen, aus anderen Bundesländern, zu lesen

-Markus Engelberger-

21.02.2012 – “Faschingaustreiben” im SOS-Kinderdorf Wien

Häuptling "Bunter Adler" - Conchita Wurst - Spiderman

Hexentanz

Begeisterte Fabelwesen

Charmanter Sensenmann

Der Umzug verlief durch die umliegenden Straßen...

... und durch unsere Wohnhausanlage...

...bis er vor dem FamilienRAThaus endete.

In einer großen Feuerschale...

...verbrannten wir unsere Sorgen und Wünsche.

Groß und Klein hatten viel Spaß beim "Faschingaustreiben"

Stimmen zum Tag:

“Es war eine sehr gelungene Aktion!” – “Da war für alle etwas dabei…” – “Schön, dass wir mal was mit den anderen WGs und Familien gemacht haben.” – “Die Hexenknödel (=Krapfen; Anm. d. Red.) waren voll lecker. Ich hab drei Stück gegessen!” – “Das Tanzen beim Feuer war lustig.” – “Auch wir Nachbarn nehmen gerne an den SOS-Kinderdorf-Festen teil, da ist immer was los!”

-Markus Engelberger-

Die Maske die zum Vorschein kommt, wenn wir unsere Maske abnehmen

Seit 11.11.2011 (11:11h) dauert er jetzt schon. Er wird auch „die fünfte Jahreszeit“ genannt. Seinen Höhepunkt erreicht er diese Tage und übermorgen ist er schon wieder vorbei.

Richtig geraten! Die Rede ist vom Fasching.

Für Kinder ist Fasching ja was Tolles. Den Alltag hinter sich lassen und endlich mal sein zu können, was man gerne sein will. Pirat, Cowboy, Clown, Popstar, Millionär… Die Ideen sind unerschöpflich und sogar die, sonst nicht so kreativen Kinder, haben große Freude daran an ihrem Kostüm zu tüfteln, passende Accessoires zu finden und sich schließlich zu verkleiden.

Verborgen hinter dieser Maske/ Kostüm, vielleicht sogar mit verstellter Stimme, kann man dann mal so richtig „auf die Pauke hauen“.

Manch einer genießt diese Narrenfreiheit, will frecher und mutiger sein. Und wenn dann andere Kinder sogar vor einem Angst bekommen, gibt das ein „gutes“ Gefühl von Stärke.

So traute sich unser „Millionär“ (wir waren gerade mit den öffentlichen Verkehrsmitteln am Heimweg von einem Faschingsumzug) mit – offensichtlich selbstgedruckten – 5.000€-Geldscheinen (Euro-Banknoten mit diesem Nominalwert werden von der EZB nicht hergestellt; Anm. d. Red.) bei einem Imbissstand einen Kebap zu bestellen. Rückendeckung bekam er dabei von Spiderman und einer Piratenbraut. Zum Glück hatte auch der Kebapverkäufer einen Sinn für Humor und antwortete, dass man mit einem 5.000€-Schein wohl ganz Disneyland mit Kebap verköstigen könnte.

Eine Anekdote zum Schmunzeln.

Doch was bleibt wenn die Maske wieder abgelegt und die Narrenzeit vorbei ist?

Auch im Alltag tragen wir alle Masken. Seien wir ehrlich. Wer schafft es denn schon wirklich er oder sie selbst zu sein? Wer nimmt nicht den Schutz einer „Alltagsmaske“ in Anspruch?

Zu groß die Angst verletzt zu werden, wenn man sich anderen öffnet.

Zu groß die Angst von anderen, so wie man ist, nicht akzeptiert zu werden und nicht dazuzugehören.

Weiterlesen ‘Die Maske die zum Vorschein kommt, wenn wir unsere Maske abnehmen’

Der Berg ruft (Teil 5/5)

Teil 5/5: Letzter Tag – Die gelben Engel – Schneechaos

Seit gestern Abend standen schon vereinzelt die ersten gepackten Koffer als stille aber bestimmte Vorboten des Abschieds im Haus herum. Wehmut griff um sich – das Ende dieses schönen und ereignisreichen Urlaubs stand unausweichlich vor der Türe. Für solche Anflüge von Melancholie blieb uns Betreuern aber wenig Zeit.

Seit gestern Abend erforderte ein ganz anderes Problem unsere volle Aufmerksamkeit. Denn unser „Kleinster“ (bezugnehmend auf unseren Fuhrpark) wollte anscheinend auch noch nicht, dass der Urlaub vorbei ist. Mit anderen Worten: er ließ sich nicht mehr anstarten. Was daran Schuld war – zu niedrige Temperaturen, eine leere Batterie, …. – wir wussten es nicht. Wir erhielten nur die, wenig erbauende, Information vom ÖAMTC, dass aufgrund der großen Kälte vorübergehend ein Annahmestop in der Servicestelle Schladming ausgerufen ist. Bereits 40 Voranmeldungen waren für den nächsten Tag, also heute Früh, zu bearbeiten.

Bis lange in die Nacht hinein zerbrachen wir uns noch den Kopf und durchdachten sämtliche Szenarien: Ein Teil der Gruppe muss mit dem Zug nach Wien fahren. Ein Erwachsener muss notfalls länger da bleiben und nach der Reparatur das Auto nach Wien fahren. Fahren wir doch alle mit Auto und Zug nach Wien und holen den Smart ein anderes Mal… Doch eine, für alle zufriedenstellende Lösung, ließ sich nicht finden.

Wie groß war die Erleichterung, als wir in der Früh (weit vor der offiziellen Öffnungszeit) nochmals anriefen und uns die Zentrale zusicherte, dass wir in den nächsten 1-2 Stunden mit Hilfe rechnen können. Und wirklich wahr. Noch vor dem Frühstück landete „ein gelber Engel“ (endlich weiß ich warum die so heißen) in unserem Garten. Ungläubig begutachtete er unser Vehikel: „Mit der Kraxn seids es von Wien nach Schladming gfoahn? Alle Achtung!“ Mit vereinten Kräften brachten wir die „Kraxn“ dazu die Batterie freizugeben, mussten diese auswechseln und erweckten so das Gefährt wieder zum Leben.

Mittlerweile hatte sich am Balkon über uns die gesamte schaulustige „Mannschaft“ eingefunden und spendete Applaus. Als wollten sie es dem Auto gleich tun, weigerten sich auch die Kinder hartnäckig die lästige Einpackerei und den notwendigen Hausputz hinter sich zu bringen. Allem Widerstand zum Trotz, schafften wir es noch 1 1/2h auf den Pisten zu verbringen bevor es endgültig galt die Ausrüstung zu retournieren, den Bus zu beladen und Richtung Wien aufzubrechen.

Der strahlende Sonnenschein und die einladenden Pisten, die auf beiden Seiten der Bundesstraße um die Wette glitzerten, machten uns den Abschied nicht leichter.

Aich verschwand hinter uns zwischen den mächtigen Bergmassiven und wir schunkelten durch die malerische Landschaft der Steiermark (zu Apres-Ski-Hits – volle Lautstärke, keine Gnade) gemächlich bis zum Semmering. Mittlerweile war zwar die Sonne hinter nebelgrauen Wolken verschwunden, doch keiner hatte damit gerechnet was uns auf der niederösterreichischen Seite Berges erwarten sollte.

Dichtestes Schneetreiben garniert mit scharfem Seitenwiend und einer Brise Weltuntergangstimmung. Diese Mischung blies uns schon in der Ausfahrt der letzten Tunnelröhre entgegen. Trotz dieser widrigen Umstände kämpften wir uns, teilweise im Schritttempo, bis nach Neunkirchen durch. Dort genehmigten wir uns eine kurze Verschnaufpause und, als versöhnliches Abschlusserlebnis (das Wetter war echt besch….. eiden), ein Abendessen bei McDonalds.

Dann ging es weiter durch die Stadt, die zwischenzeitlich mehr einem Eislaufplatz glich. Zum zweiten Mal an einem Tag mussten wir die Hilfe des ÖAMTC in Anspruch nehmen. Naiv wie wir waren, glaubten wir an dessen Stützpunkt Schneeketten für den Smart besorgen zu können. Doch weit gefehlt! So praktisch dieses Auto in der verkehrsreichen Stadt sein mag, so unbrauchbar ist es in ländlichen Gegenden, vor allem bei winterlichen Fahrverhältnissen!

Doch auch dadurch ließen wir uns, das Ziel zum Greifen nahe, nicht entmutigen. Sobald wir wieder auf die Autobahn auffuhren, war das Schlimmste geschafft. Langsam aber sicher bahnten wir uns den Weg durch die Schneemassen in die WG.

Trotzdem alle sehr erschöpft waren, von diesem anstrengenden Tag, mobilisierten wir die letzten Kräfte und versorgten gemeinsam das Gepäck.

Eine gesonderte Aufforderung brauchte dazu heute niemand. Bereitwillig schlüpften alle in ihr Bett und kuschelten sich unter die warmen Decken.

Und wenn man aufmerksam beobachtete, dann sah man noch den einen oder die andere wie sie, die Stecken fest im Anschlag und die Beine zum Pflug geformt, im Traum die weißen Pisten hinunter wedelten.

-Markus Engelberger-

Der Berg ruft (Teil 4/5)

Teil 4/5: Kaiserwetter in Aich – Bergnot in „Tschechien“ – Abendessen aus „Istanbul“

Gemächlich starteten wir in den heutigen Tag. Keine frühmorgendlichen Schifahrer auf der “Stiegenpiste”, alle genossen es sich auszuschlafen. Auch beim Anziehen hatten wir schon die nötige Routine und es klappte diesmal auf Anhieb.

Was jedoch unverändert blieb, war das Kaiserwetter. Strahlender Sonnenschein bescherte uns milde – 6 Grad am Thermometer der Bergstation. Einem genussvollen Schitag stand also nichts im Weg. Über den Spaß, den wir auf der Piste hatten, möchte ich keine großen Worte verlieren, sondern lasse die herrlichen Bilder für sich sprechen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles in allem war der Tag wunderbar und die Zeit verging in Windeseile. Kaum hatten wir es uns versehen, war es auch schon wieder an der Zeit den Heimweg anzutreten. Als wir uns, mit der Anfängergruppe, auf den Weg zum Tellerlift machten um von dort zur Gondel-Bergstation zu gelangen, fuhr die „Renn-Gruppe“ noch ein letztes Mal mit dem 6-er Sessellift zum Gipfel um von dort weg die Talabfahrt zu meistern.Würde unsere Einschätzung stimmen, sollten wir einander um kurz nach 16.30h an der Talstation wieder treffen.

Doch es kommt erstens immer anders und zweitens als man denkt…

Schon während der Gondelfahrt ins Tal bekamen wir einen Anruf unserer Kollegin: „Hilfe, wir wissen nicht wo wir sind! Und außerdem sprechen hier alle nur tschechisch…“ Da keine Piste der Hauser-Kaibling Schischaukel auch nur in die Nähe der tschechischen Grenze führt, muss dieser Ort ja auffindbar sein“, dachte ich bei mir.

Endlich wurde doch ein Ortskundiger gefunden – Der, der deutschen Sprache mächtige, Rezeptionist, des Hotels an dem die Gruppe nach langer Irrfahrt schließlich angekommen war. Dieser konnte mir per Telefon eine genaue Auskunft darüber geben, wo sich das, anscheinend bei tschechischen Urlaubern beliebte Hotel, befindet.

Doch alles der Reihe nach. Zuerst musste der eine Teil der Gruppe, der bereits in der Kälte bibberte- mit verschwinden der Sonne sank das Thermometer auch rapide in den Keller- nach Hause gebracht werden. Dann waren noch Einkäufe für das Abendessen zu erledigen, denn auch in Aich sperren die Geschäfte um 18.00h zu. Als auch das geschehen war, konnte ich aufbrechen. Es war eine sehr abenteuerliche Fahrt über eine steile, teils verschneite, teils vereiste – in jedem Fall sehr rutschigen – Bergstraße. Jedes entgegenkommende Fahrzeug erforderte Ausweichen, Stehenbleiben und erneutes Berganfahren, das auf Grund der Straßenverhältnisse zur Herausforderung wurde.

Schließlich, mittlerweile war es stockdunkel geworden, kam ich beim besagten Hotel an. Doch wo war meine Gruppe? Ich erwartete eigentlich ungeduldige Gesichter und vom langen Warten verärgerte Kinder zu sehen. Seelenruhig spielend fand ich sie im Kinderspielraum des Hotelrestaurants.

„He, warum bist du schon da? Wir wollten noch spielen!“ Mit diesen freundlichen Worten wurde ich empfangen. Anscheinend hatten sie, nachdem ein warmer Kakao die Gemüter beruhigt hatte, davon abgelassen sich gegenseitig Vorwürfe für die Verschuldung der Irrfahrt zu machen. Mittlerweile waren sie wieder ein Herz und eine Seele und nutzten die Möglichkeiten des Spieleraums von der Dartscheibe bis zu den Barbiepuppen aus. Nur eine Person, meine Kollegin, war sehr erleichtert, als ich das Zimmer betrat.

Somit war das Schlimmste geschafft. Unbeschadet kamen wir den Berg hinunter und in unserem Quartier an. Nach den ausgestandenen Strapazen belohnten wir uns mit hausgemachtem Döner zum Abendessen. Noch bis in die Nacht hinein erzählten die Kids aufgeregt vom erlebten Abenteuer.

Was für ein Tag…

 

-Markus Engelberger-

Der Berg ruft (Teil 3/5)

Teil 3/5: Der Erste Schitag

Erwartungsgemäß früh standen die ersten Kinder heute auf. Damit hatten wir gerechnet – Soweit so gut. Doch dass unsere Kinder immer wieder für Überraschungen gut sind, bewies einer unserer besonders motivierten Schifahrer, der schon kurz nach 06.00h in voller Schimontur – inklusive Helm und Brille- auf der Stiege stand und schon mal die Abfahrtshocke übte :) Soviel Motivation ist zwar lobenswert, doch alles zu seiner Zeit…

Nachdem auch der Rest der Bande aus den warmen Betten gekrochen war, zogen wir uns erst einmal um und machten uns frisch. Im Anschluss gab es ein leckeres und ausgiebiges Frühstück um genug Kraft für unseren ersten Schitag zu tanken.

Als schließlich die ersten Sonnenstrahlen über die Bergspitzen lugten, unsere Nasenspitzen kitzelten und den Schnee zum glitzern brachten, gab es kein Halten mehr. Große Aufregung und Unruhe machten sich breit.

Da die Kinder schon seit einem Jahr nicht mehr auf Schi gestanden waren, hatten wir alle Hände voll damit zu tun, jedem Einzelnen beim Ankleiden zu helfen und dafür zu sorgen, dass das richtige Kleidungsstück auch den richtigen Körperteil bedeckte. Schließlich saß alles an seinem Platz – von der Schisocke bis zur Sturmhaube. Das war sehr wichtig, hatten wir doch gestern von den Ortsansässigen erfahren, dass es am Berg -25(!) Grad haben sollte.

Gegen 10.00h war es dann soweit. Wir brachen mit dem Bus zur Liftstation auf, verteilten dort die Schiausrüstung, holten unsere Liftkarten und bestiegen die 8er-Gondel Richtung Gipfel. Besonders groß war die Überwindung die Liftkabine zu besteigen für unsere Jüngsten, die Respekt vor den großen Maschinen hatten, als auch für unsere Älteste, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben an das Abenteuer „Schifahren“ heranwagte.

Das monotone Schaukeln der Gondel, das Rattern der Liftstützen und die vielen Dinge, die es draußen zu entdecken gab, während wir unaufhaltsam dem Gipfel entgegenfuhren, verdrängten jedoch das anfänglich mulmige Gefühl, dass sich beim Besteigen der Gondel unter den Kindern breit gemacht hatte.

An der Bergstation empfing uns klirrend kalte Luft, die aber durch den strahlenden Sonnenschein erträglich gemacht wurde. Der befürchtete Wind blieb glücklicherweise aus. Nach dem gemeinsamen Aufwärmen des Körpers und der Stimmbänder – Zickezacke zickezacke Heu! Heu! Heu! – schnallten wir unsere Sportgeräte an und teilten uns in drei Gruppen auf: Die Anfänger, die „Renn-Gruppe“ und die Snowboarder.

Jede Gruppe ging Vormittags ihres Weges wobei mir das Vergnügen zuteil wurde mit den Anfängern den Übungshang, genauer gesagt die letzten zehn Meter davon, unsicher zu machen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten stellten sich die ersten Erfolgserlebnisse ein. Der erste Pflug, das erste „Bogerl“ und dazwischen- immer wieder die Piste hinaufstapfen. Trotz aller Anstrengung wurde die Motivation nicht kleiner – im Gegenteil! Gegen allfällige „Wehwehchen“ und Motivationstiefs half die verlässliche Geheimwaffe des erfahrenen Schilehrers: Gummibärchen.

Gegen Ende des Vormittags schafften es alle, auch das Mädchen, das heute erstmals auf Schiern stand, 20 Meter die Piste hinaufzustapfen, die Schi anzuschnallen und einen Slalom-Parcour mit fünf Hindernissen zu bewältigen ohne zu stürzen. Was für ein Erfolg!

Unsere zünftigen Lunchpakete und einen warmen Tee nahmen wir in einer nahegelegenen Hütte zu uns und entspannten dort auch die erschöpften Beine.

In den verbleibenden Stunden bis zu letzten Gondelfahrt lernten wir dann noch, auf die Schnelle, wie man einen Tellerlift benutzt. Auch hier bewiesen die Kinder wieder großes Talent. Zum krönenden Abschluss legten wir dann mit Pflugbögen einige „echte“ Pistenmeter zurück um wieder, erschöpft aber glücklich, die Gondel-Bergstation zu erreichen.

Nachdem wir wieder sicher ins Tal geschaukelt waren, belohnten wir uns selbst mit einem Ausflug zum Interspar, wo sich die Kinder um ihr Taschengeld mit Naschzeug eindecken durften.

Der Abend verlief nach diesem ereignisreichen Tag sehr unspektakulär. Der Mix aus körperlicher Betätigung, frische Bergluft und viel Sonnenschein forderte seine Opfer. Den meisten fielen schon während dem Abendessen – Mhh, lecker Gulasch! – die Augen zu.

Abschließend noch ein (tatsächlich aufgenommenes) Foto zum Schmunzeln – es gäbe viele Titel, die mir zu der abgelichteten Situation einfallen würden, aber ich denke dieses Bild kommt ohne Worte aus ;)

 

-Markus Engelberger-

Der Berg ruft (Teil 2/5)

Teil 2/5: Der Urlaub beginnt

Der WG-Bus bis zum Platzen gefüllt und auch der Smart mit einem Paar Schischuhen und einem Rucksack stauraumtechnisch ausgereizt. So starteten wir Montag Früh unser Abenteuer.

„Wie lange noch?“ Schon bei der ersten Ampel nach der Garagenausfahrt (ca. 100m entfernt), stellte ein besonders ungeduldiges Kind diese Frage. Lange bevor sie gestellt wurde, wusste ich schon, dass diese Frage kommen würde. Sie kommt jedes Mal. Wie das Amen im Gebet. Bei diesem Urlaub, bei dem davor und bei dem vor dem davor.

Ich glaube entstanden ist dieser „Running Gag“ bei einer Autofahrt nach Kroatien. Ich musste innerlich schmunzeln, antwortete aber ganz ernst und überzeugend:“Fünf Minuten noch“. Damit war die Angelegenheit vorübergehend geklärt. Spätestens nachdem es in Wiener Neustadt, am Semmering, in Bruck an der Mur, bei der Pause auf der Raststation und in Liezen immer noch „fünf Minuten“ waren, dämmerte es auch dem letzten Gutgläubigen und von da an war es ganz klar, dass alles, worauf wir noch zu warten hatten, „fünf Minuten“ dauerte.

Einen Teil der Fahrt verbrachte ich damit über unseren “Running Gag” nachzudenken und kam zu folgender Schlussfolgerung: Damit ein „Running Gag“ überhaupt entstehen kann, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Die Personen zwischen denen dieser Dauerwitz kursiert, müssen einander kennen und die Entstehungsgeschichte des Gags zusammen erlebt haben (alleine die Aussage „fünf Minuten“ wäre ansonsten nicht sonderlich erheiternd). Er ist also gemeinsam entstanden. Daraus folgt, dass die Kinder täglich so etwas wie Gemeinschaft erleben. Gemeinschaft hat immer sehr viel zu tun mit dem Erleben eines „Wir-Gefühls“. Wenn ich in den Archiven meines Schulwissens krame, dann habe ich in Erinnerung, dass in der Bedürfnispyramide nach Maslow eines der elementaren Bedürfnissen des Menschen jenes nach Zugehörigkeit und sozialem Anschluss zu einer Gruppe ist. Kurz gesagt: Das Bedürfnis nach Gemeinschaft. “Wie schön, dass unsere Kinder, die oft aus zerrütteten Verhältnissen ohne verlässliche Bezugspersonen kommen, hier in der WG dieses Bedürfnis befriedigen und die auch die Vorteile von Gemeinschaft erleben können”dachte ich bei mir. Das also steckt alles hinter der harmlosen Frage “Wie lange noch?”…

Er ist der DJ aus den Beeeeehergen! Und er rockt das Haus und die Leute flippen aus!“ - jäh wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. „Wieso komme ich auch auf die hirnrissige Idee den Kindern für die Autofahrt die aktuellen Apres-Ski-Hits zusammenzustellen?“ schoss es mir in diesem Moment durch den Kopf. Aber auch das ist so eine Traditionssache. Jeden Urlaub gibt es eine selbsterstellte CD, damit schon die gemeinsame Autofahrt zum unvergesslichen Erlebnis wird. Und so grölten wir die „Kuhstall Hits“ (zumindest die der kindertauglichen Sorte) rauf und runter.

Hier die Gewinner der “KWG Apres Ski – Choice Awards” zum reinhören und mitsingen…

1. Der DJ aus den Bergen – Marco Mzee

2. Vater Abraham – Tim Toupet

3. Aramsamsam – Lorenz Büffel

Schließlich war es soweit. Nach etwas mehr als fünf Minuten(…), waren wir in Aich angekommen.

Was sich schon mit jedem Meter, den wir uns aus Wien entfernt hatten, angekündigt hatte, wurde nun zur Gewissheit: Schnee, Schnee und noch mehr Schnee! Soooooo viel Schnee! Juhuuu!

Da uns das Quartier schon bekannt war, hatten wir uns schnell zurechtgefunden und eingelebt. Die Zimmer im ersten Stock waren ebenso rasch verteilt wie bezogen. Koffer wurden ausgepackt und Schränke eingeräumt. Währenddessen richteten die Betreuer die „Kommandozentrale“ (Küche) im Erdgeschoss wohnlich ein.

Eine Pflichtübung stand noch auf dem Programm: Die Schiausrüstung holen. Also machten wir uns auf den Weg nach Schladming und erledigten dies so schnell und unkompliziert wie es mit acht sehr aufgeregten Kindern nur möglich ist.

Dann endlich konnten wir, während eine Betreuerin das leckere Abendessen zubereitete, den Schnee im hauseigenen Garten genießen.

Ausgiebig tollten wir darin herum, schaufelten wir, gruben wir Höhlen, bauten wir Iglus, räumten wir Einfahrten frei, produzierten wir Schneeengel und ließen überhaupt unserer Begeisterung freien Lauf.

 

 

 

 

 

 

 

Wir hatten uns wieder einmal ins verschneite Aich verliebt und uns diesmal besonders schnell akklimatisiert, wie folgende, abschließende Anekdote verdeutlichen soll:

Szenario: Wir sitzen ausgepowert und frisch geduscht beim Abendessen und genießen unsere Lasagne.

Kind: „Du? Wie lang sind wir denn schon hier? Sind wir gestern oder heute gekommen?“

Betreuer: „Na überleg´ einmal… wann sind wir denn aus Wien weggefahren?“

Kind (nachdenklich): „Ähh…“

Seine Schwester wirft dem Betreuer einen fragenden Blick zu und setzt noch einen drauf: „Wien? Wos is des!?“

 

-Markus Engelberger-

 

Der Berg ruft (Teil 1/5)

Liebe Freunde!

Lange hat mein nächster Bericht auf sich warten lassen…

Doch das aus gutem Grund! Die letzten vier Tage verbrachte die KWG Jedlesee im steirischen Ennstal. Was wir dort machten? Schifahren natürlich! Die Tage waren anstrengend und die Nächte kurz. Deswegen blieb wenig Zeit den Blog täglich zu aktualisieren. Ich will dies jetzt, da wir wieder wohlbehalten zu Hause angekommen sind, nachholen und euch an unseren Erlebnissen teilhaben lassen.

Teil 1/5: “Die Vorbereitungen”

Schon letzten Herbst war klar: Auch in den Semesterferien 2012 werden wir wieder in den Genuss eines WG- Schiurlaubs kommen. Für Wiener Kinder ist ein solches Ereignis gar nicht so selbstverständlich. Deswegen freuen sich Kinder (und Betreuer) jedes Jahr sehr darauf.

Nach Team-interner Besprechung stand das dafür zuständige Betreuerteam bald fest. Und insgeheim, um zu große Aufregung der Kinder zu vermeiden, begannen wir die Vorbereitungen.

Es mussten Packlisten geschrieben werden, die sicherstellen sollen, dass auch sicher alle die gleiche Ausrüstung und Kleidung einpacken. Der Erste-Hilfe-Koffer musste ergänzt und die Autos durchgecheckt bzw. auf Wintertauglichkeit geprüft werden. Essenspläne wurden erstellt und Kontakt mit wichtigen Anlaufstellen vor Ort aufgenommen. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an die Liftbetriebe „Hauser Kaibling“ und den „Intersport Planai“, die uns mit Gratis Betreuer-Liftkarten und Gratis-Schiausrüstung großzügig unterstützten!

Trotzdem wir versuchten das Geheimnis gut zu hüten, macht es keinen Sinn unseren Kindern etwas vorzugaukeln. Anfang Jänner war die Katze aus dem Sack!

„Anfang Jänner“ klingt aus heutiger Sicht gar nicht so weit entfernt – so in etwa weiß doch noch jeder, was in der ersten Woche des Jahres, zugleich der letzten Woche der Weihnachtsferien, geschehen ist. Jedoch sind 30 Tage eine unendlich lang wirkende Zeitspanne, wenn man mindestens fünf Mal täglich mit Fragen wie: “ Wo fahren wir hin Schifahren?“, „Fährst du auch  Schifahren?“, „Wann fahren wir Schifahren“, „Wieviel Mal Schlafen noch?“, „Soll ich schon einpacken?“, „Fahren wir auf die schwarze Piste?“… bombardiert wird.

Die Tage vergingen und unaufhaltsam rückten der Schulschluss, das Semesterzeugnis und damit der Schiurlaub näher. Äquivalent zur sich vermindernden Anzahl der verbleibenden Tage, stiegen Vorfreude, Anspannung und Nervosität… Gemeinsam mit der Frustration oder unbändigen Freude (je nachdem) über die erhaltene Schulnachricht, begann sich eine explosive Mischung zu entwickeln. Ein falsches Wort, eine missverstandene Geste konnten ausreichen um das Fass zum Überlaufen zu bringen – was es auch regelmäßig tat.

Doch nachdem schließlich die gepackten Koffer und Kisten bereit standen und auch die letzten Zweifel verflogen, ob es ” jetzt endlich losgeht”, kehrte wieder Ruhe ein.

Ob es nur die Ruhe vor dem Sturm war? Wir werden sehen…

-Markus Engelberger-

“Hurra! Schnee!” oder: “Ein Wiener Wintermärchen”

Eine kleine Rückschau an einen besonderen Tag im vergangenen Monat:

Lange hat der Winter (in der Hauptstadt) auf sich warten lassen.

Ein Tag wie so viele. Wir sitzen beim Mittagessen. Der eine meckert warum es heute keine Nougatknödel gibt, der andere ist schlecht drauf weil ihn am Schulweg größere Kinder sekkiert haben, die dritte hat Angst vorm anstehenden Zahnarzttermin. Die ganze Gruppe ist „wuselig“ und unruhig.

Dann geschieht es: Die Gespräche und das Zappeln der Kinder verstummen schlagartig – verwunderte Gesichter am ganzen Tisch. Die ratlosen Züge verwandeln sich jedoch schnell in ein Lächeln. Und da schreit auch schon die erste: „Es schneit!“

Vergessen die Nougatknödel, vergessen der Schulweg und vergessen die Tischregeln (Wir bleiben bei Tisch sitzen, denn wir wollen uns auf das Essen konzentrieren und es genießen)

Und ehe ich es mir versehen kann, bin ich der Einzige, der noch vor seinem Teller sitzt.

Eine Gruppe freudig aufgeregter Kinder, die den ersten Schnee sehen wollen, dazu zu überreden doch einfach in Ruhe das Mittagessen zu genießen, ist ähnlich erfolgreich wie ein Gruppe Wassermoleküle dazu zu aufzufordern ruhig zu bleiben während die Wassertemperatur kurz vor dem Siedepunkt ist. Es ist ein physikalisches Gesetz, dass die Wasserteilchen im Kochtopf „herumfetzen“, wenn man das Wasser erhitzt.

Ebenso vorhersehbar und unausweichlich, wie diese physikalische Gesetzmäßigkeit, waren die acht feuchten Näschen, die sich fest gegen die Fensterscheibe pressten. Getrieben von einer inneren Faszination, mit glänzenden Augen und teilweise andächtiger als am Heiligen Abend betrachteten die Kinder das weiße Treiben…

 

 

 

 

 

 

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Hallo aus dem SOS-Kinderdorf Wien

Hallo liebe Freunde!

Im Februar habe ich die Gelegenheit euch an unserem Alltag in der Kinderwohngruppe Jedlesee teilhaben zu lassen. Der Monat ist kurz – doch zu erzählen gibt es trotzdem jede Menge!

Zu Beginn meiner „Blogger-Tätigkeit“ möchte ich euch einen kurzen Einblick in unseren WG-Alltag geben und die Wohngruppe vorstellen:

In der Gruppe leben derzeit acht Kinder – vier Mädchen und vier Buben – im Alter von sechs bis zwölf Jahren.

Jedes Kind, das hier lebt, bringt seine ganz individuelle Geschichte mit und ist gerade deswegen ein wertvoller Teil dieser Gruppe.

Betreut werden die Kinder von einem Team, bestehend aus sechs SozialpädagogInnen, zu denen auch ich mich zähle. (Wer mehr über mich erfahren will, schaut unter dem Punkt „Die BloggerInnen dieser Seite“ nach)

Einige unserer Schützlinge sind seit der Eröffnung der Wohngruppe im Jahr 2007 dabei, die anderen im Laufe der letzten Jahre dazugestoßen. Wieder andere sind der Gruppe bereits entwachsen und leben derzeit in den Jugendwohngruppen, dem „Betreuten Wohnen“ oder sind bereits zurückgekehrt in das System ihrer Herkunftsfamilie. Stetiger Wandel und Entwicklung prägen unser alltägliches Zusammenleben.

Wenn ich Freunden oder Bekannten von meiner beruflichen Tätigkeit berichte, sehe ich mich oft fragenden Gesichtern gegenüber, aus denen dann schließlich die Frage herausplatzt:“ Was machst du eigentlich den ganzen Tag – arbeitest du auch was?“ Offensichtlich hat  die Betreuung und Erziehung von Kindern  in der breiten Öffentlichkeit, auch im Jahr 2012, noch nicht den Stellenwert erreicht, der ihr eigentlich gebührt. Und einem Mann, der sich für dieses Berufsfeld entscheidet, wird ohnehin mit Argwohn begegnet. Lächelnd antworte ich dann darauf: „Darf Arbeit denn keinen Spaß machen!?“

Doch um etwas konkreter zu werden, hier ein kleiner Ausschnitt aus unserem Alltag. Das alles machen wir gemeinsam:

Gemeinsam: Lachen und weinen wir; Spielen, singen und tanzen wir; Erleben wir Grenzen; Kämpfen wir uns durch Hausaufgaben und Schularbeiten; Streiten und versöhnen wir uns; Bewegen wir uns; Freuen wir uns, dass der andere für uns da ist und sind manchmal ganz für uns alleine; Erfahren wir Geborgenheit und Wärme, aber auch Enttäuschungen und Schmerz; Feiern wir Geburtstage und Feste… Kurz gesagt: Wir leben!

Und Schritt für Schritt, Tag für Tag, werden die Kinder zur Selbstständigkeit hingeführt – und „Ja“ liebe Freunde, das ist eine anstrengende Arbeit!

Doch der Lohn den man dafür erhält, nicht der auf dem Konto – Nein, das Lächeln im Gesicht der Kinder- der ist unbeschreiblich hoch.

-Markus Engelberger-


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